Die Kanti Sargans nahm den Betrieb 1963 auf. 1969 und 1992 wurde die Anlage erweitert. Die dritte (jetzige) Erweiterung dauerte dann (gefühlt) ewig. Ehemalige Kantonsräte aus dem Sarganserland, die an den Eröffnungsfeierlichkeiten vom Montag zugegen waren, erinnern sich, dass es einen gewissen Druck brauchte, um das Geschäft im Parlament voranzubringen. Letztlich genoss die Kantonsschule aber grossen politischen Rückhalt – mit 114 zu null Stimmen wurde die Erweiterung 2014 einstimmig beschlossen. Nachdem auch das St. Galler Stimmvolk deutlich Ja gesagt hatte, war der Weg frei. Dass dann nochmals Jahre ins Land zogen bis zur Realisierung, hatte mit Einsprachen zu tun.
Regierungsrätin Susanne Hartmann erinnerte ihrerseits an die Grundsteinlegung 2024, als sie ihre Rede mit «Endlich!» begonnen habe. Zwei Jahre später dürfe man sagen: «Geschafft! Wir sind heute am Ziel eines langes Weges angekommen.» Mit dem Erweiterungsbau erhalte die Kantonsschule Sargans jene zusätzlichen Räume, die für einen zeitgemässen Schulbetrieb notwendig seien. Rund 5000 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche würden Platz für Unterricht, Gruppenarbeiten, individuelle Lernformen und Austausch schaffen. Auch für die Unterrichtsvorbereitung und Administration gebe es an der Kanti nun genug Raum.
Lobende Worte fand Hartmann bezüglich der architektonischen Qualität des Projekts der Egli Rohr Partner Architekten AG. Der neue Süd-West-Flügel passe harmonisch zu den bestehenden Gebäuden. Der neue Innenhof schaffe Orientierung, verbinde die verschiedenen Gebäudeteile und biete einen attraktiven Ort für Aufenthalt, Begegnung und Lernen. Ebenso überzeugend sei die Art und Weise, wie sich der Neubau in die Umgebung einfüge. Der sandgestrahlte Beton nehme die markante Landschaft und die Felswand des Gonzen auf. Im Innern würden natürliche Materialien und eine zurückhaltende Gestaltung für eine ruhige und angenehme Atmosphäre sorgen. Worte des Dankes richtete die Vorsteherin des Bau- und Umweltdepartements an alle, die zum Gelingen des Bauwerks beitrugen. In den letzten drei Jahren sei viel Flexibilität und Toleranz nötig gewesen.
Kanti Sargans in Pionierrolle
Hartmanns Regierungskollegin Bettina Surber erwähnte die Kantonsschule Sargans als erstes staatliches Gymnasium ausserhalb der Hauptstadtregion. Wattwil, Heerbrugg und Wil sollten erste Jahre später folgen. «Die Kanti Sargans war damit eine Pionierin.» Und nehme bis heute eine besondere Stellung in der St. Galler Bildungslandschaft ein. Surber meinte damit den Zugang zu einer gymnasialen oder fachmittelschulischen Ausbildung im südlichen Kantonsteil. Die Bildungschancen seien damit unabhängig davon, ob jemand in einer Stadt oder eine Randregion aufwachse. Die Vorsteherin des Bildungsdepartements meinte damit aber auch, dass die Kanti Sargans im Gegensatz zu den anderen Mittelschulen sämtliche Lehrgänge unter einem Dach vereinen würde. Diese Vielfalt sei eine grosse Stärke. Gerade in einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft und Arbeitswelt rasant verändere, sei das viel wert.
«Wir wissen heute nicht, welche Berufe in 20 Jahren gefragt sein werden. Wir wissen aber, welche Fähigkeiten junge Menschen brauchen werden: Neugier, kritisches Denken, Kreativität, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, sich immer wieder Neues anzueignen. Genau dafür schaffen wir mit diesem Erweiterungsbau die Voraussetzungen», sagte Surber. Die Investition sei nicht einfach eine Investition in zusätzliche Räume gewesen. «Sie war eine Investition in die Bildungszukunft unseres Kantons.» Die Kantonsschule Sargans stehe seit über sechs Jahrzehnten für Bildung, Offenheit und Zukunftsvertrauen. Der heutige Tag sei deshalb nicht nur die Einweihung eines Gebäudes. Er sei auch ein Zeichen dafür, «dass wir als Kanton bereit sind, in jene Ressource zu investieren, die für unsere Zukunft entscheidend bleibt: die Bildung».
Wie ein Wanderzirkus auf Tournee
Mit Pascale Chenevard nahm die «Hausherrin» der Kanti Sargans den Faden von Prorektor Christian Wenk auf, der den Abend moderierte und Vergleiche zur Fantasywelt Narnia zog. Vor drei Jahren sei die Schule durch eine unsichtbare Tür gegangen und in einer anderen Welt gelandet. Lärm, Baustelle, Aussenstandorte hätten den Schulalltag geprägt. Manchmal habe man sich eher wie ein Wanderzirkus auf Tournee gefühlt denn wie eine Schule. Der Bau habe den Schulbetrieb spürbar viele Ressourcen gekostet; man sei ein stückweit auch auseinandergerückt. Dabei lebe Schule doch vom Gegenteil – von Nähe, Verlässlichkeit, vom gemeinsamen Alltag. Genau das gewinne man heute zurück, freute sich Rektorin Chenevard an der Eröffnungsfeier. Sie ging auch auf die beiden Giraffen ein, die den Innenhof prägen. Nichts am Kunstwerk von Barbara Signer sei geradlinig. Es besage, dass es für alles eine Lösung gebe, aber selten einen einfachen Weg.
Ein schönes Symbol war nach den Reden die Übergabe von Salz und Brot durch die Regierungsvertretinnen an die Kantonsschule Sargans. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Gastgeschenk. Das Brot symbolisiert Nahrung, Fülle und die Hoffnung dass es den Bewohnerinnen und Bewohnern im neuen Zuhause an nichts fehlen möge. Das Salz steht für Beständigkeit, Lebenswürze und Glück. Gemeinsam bringen sie den Wunsch nach Wohlstand, Gemeinschaft und einem gesegneten Leben zum Ausdruck. Die Worte «Möge sie (die Kantonsschule) auch weiterhin Wissen vermitteln, Horizonte erweitern und junge Menschen auf ihrem Lebensweg stärken» beschlossen die von einem Ad-hoc-Chor und einem Bläserensemble stimmig umrahmte Feier. Damit ist die neue Kanti ihrer Bestimmung übergeben.
Was lange währt, wird endlich gut: Die geladenen Gäste in der neuen Kantonsschul-Aula lauschen an der Eröffnungsfeier dem Ad-hoc-Chor und einem Gespräch zwischen Rektorin Pascale Chenevard und Prorektor Christian Wenk.
Quelle: Sarganserländer, 01.07.2026, Hans Bärtsch






